"Wort zur Woche" vom 17. März 2018

   Pfarrer Hartmut Lauterbach

Manchmal weist uns unsere Sprache auf tiefere Geheimnisse hin. "Du, ich mag dich gern leiden", sagen Menschen, die einander lieben. Und damit sagen sie etwas Wesentliches über die Liebe - vielleicht sogar ganz unbewusst: Liebe ist mehr als ein angenehmes Gefühl, Liebe umfasst auch das Leiden. Das Leiden an und mit dem anderen lässt die Liebe wachsen. Darin besteht für mich das Geheimnis der Passionszeit, der sieben Wochen vor Ostern, in denen das Leiden und Sterben Jesu in den Mittelpunkt rückt. Die Liebe Gottes lässt sich in ihrer Größe nur erahnen, wenn wir das Leiden Gottes an und mit uns Menschen mit einbeziehen.

"Die Kirche müsste mal etwas moderner sein und nicht immerzu von Leiden und Sterben reden" – heißt es manchmal. Ich glaube aber auch: Wir tun gut daran, nicht nur auf die Sonnenseiten zu achten. Unser Leben gewinnt seine Fülle und Schönheit erst dann, wenn wir die Schattenseiten nicht verdrängen. Es gibt keine Liebe ohne Leiden, keine Freude ohne Trauer, kein Leben ohne Abschied. Die Passionszeit bietet die Chance, so dem Leben auf die Spur zu kommen.
Das kann in ganz verschiedener Weise geschehen. Sehr viele üben in der Fastenzeit Verzicht - sieben Wochen ohne Alkohol oder Zigaretten, ohne Süßes oder eingeschränkten Medienkonsum. Und dabei lässt sich entdecken: Der Verzicht kann ein Gewinn sein, ein Schritt zu intensiverem Leben. Auch die Angebote der Kirchen in diesen Wochen sind eine Möglichkeit, dem Leben neu auf die Spur zu kommen - in ganz unterschiedlicher Weise. Ich wünsche uns, dass wir so in den noch verbleibenden Wochen bis Ostern dem Geheimnis des Lebens näherkommen.