"Wort zur Woche" vom 6. Januar 2019

   Pfarrer Hartmut Lauterbach


„Ein gesegnetes neues Jahr!“ – so wünschen wir einander zu Beginn des neuen Jahres und das ist gut so, denn: Gott gibt uns den Auftrag einander zu segnen. Gott spricht zu Mose (und wir sollen uns angesprochen fühlen): "So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden."(4. Buch Mose 6,22-26) Segen ist also etwas, was direkt von Gott kommt. So ist das bis heute geblieben.

Das Leben beginnt mit Segen. Wer sein Kind zur Taufe bringt, vertraut es dem Himmel an. Das Kind soll nicht allein auf Erden gebunden sein, es soll auch stets mit dem Himmel verbunden bleiben. Der Segen wiederholt sich an jedem Sonntag im Gottesdienst und an den Marksteinen des Lebens: bei der Konfirmation (Kommunion, Firmung), bei der Eheschließung, in Stunden der Krankheit, zu großen Reisen oder anderen Vorhaben, die ein Wagnis in sich tragen, in der Stunde des Todes. Segen ist, was dem Sinn vorausgeht. Bevor überhaupt ein Sinn erkennbar wird, legt uns Gott schon seine Hände auf und schenkt uns seinen Frieden.
Darum sollten wir auch selber wieder wagen, einander still zu segnen. Entweder in einem Gebet, in dem wir für jemanden Gottes Segen erbitten. Oder wirklich so, dass wir einem Menschen die Hand auflegen oder ihm ein kleines Kreuz auf die Stirn machen mit den Worten „Behüte dich Gott“. Das sind Augenblicke, die wir nicht einfach herbeiführen können. Aber manchmal bietet es sich doch an. Das Kind verreist, der Großvater muss ins Krankenhaus, die Arbeitsstelle ist in Gefahr. Das könnte ein Augenblick sein, wo ein Mensch in sich den Mut fasst, die andere Person zu segnen. Vor allem Verstehen steht der Segen, den Gott durch Menschen erteilt. Und dieser Mensch kann auch ich sein.