Gedanken zum Sonntag

Totensonntag oder Ewigkeitssonntag?

Welchen Namen ziehen Sie vor?
Der Sonntag, an dem der Toten gedacht wird, die Namen der im vergangenen Kirchenjahr Verstorbenen vorgelesen werden? Oder der Sonntag, an dem wir uns tröstlich in Erinnerung rufen lassen, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist, dass die Verstorbenen in Gottes Ewigkeit zuhause sind.

Natürlich darf man nicht das eine gegen das andere ausspielen. Natürlich trauere ich um die Verstorbenen, denn sie fehlen mir. Da ist und bleibt eine schmerzhafte Lücke, die ich nicht einfach schließen kann. Da bleiben die unerfüllten Pläne. Da bleibt der Abschied. Da bleiben Trümmer in meinem Leben. Wie gut ist es, wenn ich meine Traurigkeit ausdrücken darf, vielleicht in Worten, aber vor allem auch in Tränen. In der Bibel ist viel vom Weinen die Rede. Jeremia schreibt sogar vom Weinen Gottes. Gott selbst trauert. Gott selbst kennt die Gabe der Tränen.

Auch Jesus weint. „Und Jesus gingen die Augen über“ (Johannes 11,35) heißt es in der Geschichte vom verstorbenen Lazarus. Lazarus und seine Schwestern erhalten noch einmal eine Zeit des Miteinanders geschenkt. Das würden wir uns so oft wünschen. Aber darüber hinaus ruft Jesus in Erinnerung, dass es ein über das irdische Leben hinausgehendes ewiges Leben gibt: „Jesus spricht zu Marta: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ (Johannes 11,25f)

Der Gedanke an die Auferstehung ist Trost, – wenn das einer weiß, dann Jesus! – und lindert doch nicht den Schmerz. Aber wir dürfen sozusagen „rückwärts“ hoffen, „rückwärts“ vertrauen, von der Ewigkeit Gottes herkommend.
Darum ziehe ich den Namen „Ewigkeitssonntag“ vor, und deshalb wünsche ich Ihnen einen gesegneten Ewigkeitssonntag!

Pfarrerin Annegret Pfirsch, Pfarrerin an der JVA Kempten

"Wort zum Sonntag" in der Allgäuer Zeitung, 20./21.11.2021