Gedanken zum Sonntag

Der Himmel ist kein Ort

„Das dauert ja eine Ewigkeit!“, sagen die Leute, wenn sie dringend auf einen Handwerker warten. Christen verwenden den Begriff „Ewigkeit“ im Zusammenhang von Sterben und Tod: „Gott, der Herr über Leben und Tod, beruft Menschen aus diesem Leben in seine Ewigkeit ab.“ Und der Totensonntag wird oft auch Ewigkeitssonntag genannt.

Ewigkeit. Das ist kein einfaches Thema. Haben Sie schon mal versucht, Kindern den Tod eines lieben Menschen zu erklären? Ein Freund von mir hat es seinen Kindern mal so erklärt: „In dem Moment, wo ein Mensch stirbt, verlässt er Raum und Zeit. Ewigkeit ist eine Zeit ohne Anfang und Ende.“

Darum sind wir so verlegen, wenn die Kinder oder Enkel unbedingt wissen wollen, „wo“ die Oma oder der Opa denn jetzt sind. Jeder Erklärungsversuch, der mit einer Ortsbestimmung aufwartet wie „Der Opa ist jetzt im Himmel“, kann die Kinderseele nur vorübergehend befriedigen. Irgendwann kommen sie mit der nächsten Frage: „Wo ist denn der Himmel?“

Wir können den Himmel nicht lokalisieren, weil der Himmel kein Ort und kein Raum sein kann. Sonst würden wir aus der Ewigkeit Gottes ein räumlich begrenztes „Wolkenkuckucksheim an der Milchstraße“ machen. Nein, unser Gehirn kann Ewigkeit und Himmel nicht denken. Wir können nur etwas denken, das einen Anfang und ein Ende hat. Und trotzdem ist es eine ganz hilfreiche Vorstellung, die mich tröstet, wenn mir meine Liebsten genommen werden.

In der schwersten Krise unseres irdischen Lebens, wenn es an unser physisches Ende geht, geht es in erster Linie um Trost. Trost von dem, der in Jesus Christus selbst Mensch wurde wie du und ich. Gerade in dunklen Stunden, wenn wir traurig oder verzweifelt sind, gilt jedem, der ihm vertraut, sein Versprechen: „Niemand wird dich aus meiner Hand reißen!“ (Joh 10, 28)

Auf einem Friedhof in der Nähe von Nürnberg steht ein Grabstein, auf dem neben dem Namen, dem Geburtsdatum und dem Sterbetag nur zwei Worte zu lesen sind: „Bei Jesus“. Darum geht es vor allem anderen, wenn wir über den Himmel und die Ewigkeit sprechen. Es geht darum, BEI JESUS zu sein!!!

Wer das für sich erkennt, wer das in der Stunde seines Todes glauben kann, wer sich und sein Leben BEI JESUS festgemacht hat, der ist gehalten und getröstet, egal wo der Himmel ist. Der Himmel ist keine Lokalität, er ist eine Qualität: ewige und ungetrübte Gemeinschaft mit Gott, dem Ewigen und Heiligen.

Pfarrer Sebastian Strunk, Markuskirche-Altusried

 

Allgäuer Zeitung, 19./20. November 2022