Gedanken zum Sonntag - Meine Kaffeetasse

Pfarrer Andy Gatz
Bildrechte: Andy Gatz

 

In der AZ-Ausgabe vom letzten Samstag hat Pfarrer Högner auf wunderbare Art und Weise von der "Heimat im Glauben" berichtet. Alte und neue Glaubenszeichen – Wegkreuze, Kapellen, Besinnungsorte – die das Allgäu schon lange prägen und uns auch eine Perspektive für die Ewigkeit aufzeigen.

Wenn ich mit dem Mountainbike an solch einem Zeichen vorbeifahre, dann lasse ich es mir nicht nehmen, meinem "Chef" zumindest zuzunicken. In diesen kurzen Momenten schwingt viel mit: Dankbarkeit – für die Natur, für den Wohlstand in unserem Land, für meine Gesundheit und meine Lieben. Freude – darüber, dass ich es mir leisten darf meine Freizeit in dieser wunderschönen Umgebung zu verbringen. Und Demut – weil ich weiß, dass ich damit viele Privilegien genieße.

In meinem Urlaub ist mir noch ein weiteres Glaubenszeichen aufgefallen: Meine Kaffeetasse. Nicht irgendein beliebiges Porzellanteil, sondern meine Campingtasse, die einmal im Jahr ausgepackt wird und mich durch die freie Zeit begleitet: Aus blitzendem Edelstahl, mit zwei Metallhenkeln versehen, eigentlich a bisserl zu groß zum Trinken und aufgrund der Wärmeleitfähigkeit auch gar nicht so praktisch. Wenn man nicht aufpasst schwappt der Kaffee schnell über und das heiße Metall kann recht schnell unangenehm werden auf der bloßen Haut.

Wenn ich also morgens oder nachmittags im Klappstuhl mit improvisiertem Beistelltischchen meinen Kaffee genießen will, dann führt das zwangsläufig zu einem Ritual der Achtsamkeit: Vorsichtig, langsam und aufmerksam bewege ich mich und setze mich hin. Langsamer und aufmerksamer beobachte ich in der Urlaubszeit auch meine Umwelt. Der Kinderlärm, der im Homeoffice noch störend war zaubert mir jetzt ein Lächeln aufs Gesicht. Das stattliche Funkloch, das mich zuhause in den Wahnsinn getrieben hätte wird hier zum willkommenen Reservat.

Und mit der eigentlich unpraktischen Kaffeetasse in der Hand kommen mir plötzlich viele kleine Begegnungen in den Sinn. Momente, in denen ich Gottes Nähe und seinen Geist spüren konnte. Die Gastfreundschaft eines benachbarten Campers, inklusive gekühltem Bier und angeregter Unterhaltung. Die Spielkameraden, die meine Kinder schon am ersten Tag gefunden haben. Die Hilfsbereitschaft fremder Menschen und auch die glimpflich ausgegangenen Wespenstiche. Und ja: Auch bei einem Blick auf das Feldkreuz oder wenn wir eine Kirche passieren fällt mir auf, dass Gott sich finden lässt – nicht erzwungen und auf Knopfdruck, aber immer dann, wenn ich einen Gang zurückschalte und aufmerksam bin für seine Zeichen und all die großen und kleinen Wunder.