Heute !

Haben Sie heute schon gelebt? – Vielleicht verblüfft Sie diese Frage. Aber es ist tatsächlich so, dass viele unserer Zeitgenossen gar nicht im Heute leben. Sie befinden sich entweder noch im Gestern oder bereits schon im Morgen. Die einen hängen ihren Gedanken und Erinnerungen nach, grübeln über längst Vergangenes, und die anderen beschäftigen sich schon gedanklich mit den Terminen, die in der Zukunft auf sie warten; können sie entweder gar nicht erwarten oder blicken sorgenvoll nach vorne. Und dabei verpassen sie tatsächlich das Heute.

Haben Sie heute schon gelebt? – Ich möchte Sie mit dieser Frage ermutigen, sich auf den heutigen Tag zu besinnen und ihn bewusst zu erleben. Denn, so heißt es in der Bibel im Buch der Psalmen, „dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“ (Psalm 118, 24) Der heutige Tag ist viel mehr als nur ein ganz normaler Tag von vielen anderen. Es ist ein Tag, den Gott jedem von uns schenkt. Und mit diesem Tag schenkt er uns eine Menge Zeit, die wir gestalten dürfen. Und damit ist er viel zu schade, um ihn einfach zu verpassen. „Lasst uns vielmehr freuen und fröhlich an ihm sein.“

Haben Sie heute schon gelebt? – Der Wochenspruch für die kommende Woche gibt uns noch ein gutes Argument an die Hand, was diesen heutigen Tag zum Freuen und Fröhlichsein machen kann. Gott sagt: „Heute, wenn ihr meine Stimme hört, dann verschließt eure Herzen nicht.“ (Hebräer 3, 15) Ich glaube fest daran, dass Gott ein Gott ist, der mit uns Menschen reden möchte. Und wenn der lebendige Gott in mein Leben hineinspricht, dann sind das ganz wertvolle, ja heilige Momente. Jeder neue Tag, den wir erleben, ist eine neue Gelegenheit, auf Gottes Reden und seine Stimme zu hören. Und weil das in der Hektik des Alltags leicht zu überhören ist, können die Gedanken des dänischen Theologen Sören Kierkegaard uns eine gute Hilfestellung sein: „Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist, ich wurde ein Hörender. Ich meinte erst, Beten sei Reden. Ich lernte aber, dass Beten nicht bloß Schweigen ist, sondern Hören. So ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören.
Beten heißt: still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.“

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen heute und jeden Tag ein aufmerksames Hinhören, Ihr Pfarrer Sebastian Strunk