Die Magnuskapelle in Altusried

Die Geschichte der Magnuskapelle

Im Jahre 1692 wurde die Magnuskapelle von gottesfürchtigen Bauern errichtet, Menschen, die ihre Ängste und Nöte vor Gott brachten. Sie trafen sich hier auch in glücklichen Tagen und dankten Gott. Zeichen ihrer Dankbarkeit sind die Kunstwerke im Innenraum, über die wir uns heute noch freuen. Ein Gotteshaus – Ort für die Begegnung der Menschen mit Gott. Im Jahr 1959 wurde die ehemals katholische Kapelle von der evangelischen St.Mang Gemeinde gekauft. Bis zur Gründung der Markusgemeinde in Kempten Nord, gehörte auch Altusried zur St.Mang Gemeinde in Kempten.

Von der Markuskirche in Kempten wurde die wachsende Gemeinde in Altusried von Pfarrer Braun, Pfarrer Fehr und Pfarrer Wolf Hennings betreut. Treue Gemeindeglieder und engagierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erhielten durch ihre Kreativität die Gemeinde in Altusried am Leben. 1996 wurde eine halbe Pfarrstelle für Altusried bewilligt. Durch diese neu geschaffene Pfarrstelle wurde die evangelische Gemeinde zusammengeschweißt und man erkannte die Notwendigkeit der Errichtung eines eigenen Gemeindehauses.

Im Jahr 2002 wurde das Magnushaus fertig gestellt und es wurde eine ganze Pfarrstelle in Altusried geschaffen. Mit dem fertiggestellten Gemeindehaus beginnt ein neuer Abschnitt im Leben der evangelischen Gemeinde in Altusried und seinen dazu gehörenden Ortsteilen Krugzell, Mutmannshofen, Frauenzell und Kimratshofen. Hier wird, wie in der gesamten Markusgemeinde Kempten, Ökumene und soziales Engagement, beispielhaft vorgelebt.

St. Mang - der Apostel des Allgäus

St. Magnus Figur in Kapelle Altusried
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Wer war Magnus? St. Magnus war ein iro-schottischer Mönch der im 8. Jahrhundert nach Christus über St. Gallen ins Allgäu kam. Vermutlich hat er von ca. 699 bis 772 gelebt und Magnus hat von Iona, dem westschottischen Inselkloster, aus seine Missionsreise gestartet. Die drei iro-schottischen Wandermönche und Pilger Magnus, Gallus und Columban werden oft als die Apostel des Allgäus bezeichnet. Sie zogen umher, um das Wort Gottes unter den Heiden zu verbreiten und Gott dadurch zu dienen. Sie verstanden sich als Pilger, Gäste, Fremdlinge auf der Erde - ohne bleibenden Ort. Ihre Peregrinato - Pilgerreise - entsprach dem biblischen Gedanken der Nachfolge Christi.

Historische Darstellungen, wie auch die Figur in unserer Magnuskapelle, zeigen Magnus oft als Benediktinermönch. In Wirklichkeit war die Erscheinung der iro-schottischen Mönche wohl eine andere: kahlgeschorenes Vorderhaupt, die Haare am Hinterkopf lang, mit Vollbart, mit Bleioxid rot bemalte Augenränder und tätowiert. Sie trugen weiße, lange Gewänder und ihr Aussehen entsprach eher keltischen Druiden.

Im Jahr 747 kamen Magnus und sein Begleiter Theodor nach Kempten. Die Stadt war damals, der Sage nach, verödet und verwüstet. Die Riesenschlagen Boa hatte die Bewohner in Angst und Schrecken versetzt. Die Schlange kann aks Versinnbildlichung der Wildnis und der Naturgewalten gesehen werden. Magnus und Theodor besiegen die Riesenschlange im Kampf und beginnen in Kempten das Evangelium zu verkünden. Sie gründen eine Missionszelle mit Bethaus. Theodor wird beauftragt die Missionszelle weiter zu bauen und Magnus zieht weiter nach Roßhaupten.

Roßhaupten war zu dieser Zeit eine alemannische Kultstätte, an der Pferdeopfer dargebracht wurden. Die Bevölkerung wurde dort von einem Drachen drangsaliert, den Magnus tötet. Der Sieg über den Drachen hat sich befreiend auf die Bevölkerung ausgewirkt und ihr neuen Mut gegeben. Die Schlangen und Drachen in den Geschichten stehen sinnbildlich für das vorherrschende Heidentum. Durch seinen Sieg ebnet Magnus den Weg für eine neue (christliche) Kultur.

In der Magnuskapelle in Altusried sind verschiedene Abbildungen und Figuren von St. Magnus zu finden. Er wird als Benediktinermönch in brauner Kutte und als Ritter auf einem Pferd dargestellt. Neben Magnus sind noch weitere Personen aus seinem Umfeld, wie z.B. Bischof Wikterp (aus Augsburg) in der Kapelle zu finden. Die Abbildungen und Darstellungen können uns heute leider nur einen kleinen Teil von Magnus Mut und kompromissloser Bereitschaft vermitteln. Er hat seine Heimat verlassen und sich auf eine lebenslange Pilgerreise begeben um die Gute Botschaft ins Allgäu zu tragen. Ohne zu wissen ob er seine Heimat jemals wiedersehen wird. Magnus hat furchtlos gegen bedrohliche Mächte gekämpft um den Menschen Befreiung und Kultur zu bringen. Die von den iro-schottischen Mönchen gegründeten Missionszellen waren nie abgelegene Klöster. Sie waren Orte für Handwerk, Ackerbau, Landwirtschaft und spirituelle Zentren - ganz nah bei den Menschen.

St. Magnus der Drachentöter
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St. Magnus tötet einen Drachen