Wort zum Sonntag

Der Bollerwagen Jesu

Himmelfahrt geht es raus! Viele Andachten und Gottesdienste finden, wenn auch nicht so gewohnt wie vor Corona, draußen statt. Und es ist gut, rauszugehen … wie die ersten Apostel: raus aus der Wohnung, dem Haus, der kleinen Welt, in der ich vielleicht sicher, aber auch gefangen bin. Raus aus meinem „Miniversum“, damit ich den Himmel sehe; im Allgäu natürlich auch die noch schneebedeckten Berge, die gelben Wiesen, das saftige Grün. Das macht das Leben leichter.

Und so mache ich mich auf: Ich packe meinen geistlichen Bollerwagen und gehe mit Jesus auf Vatertagstour, nehme natürlich auch die Frau, die Kinder und den Hund mit. Wo immer ich bin und ankomme: Es ist alles seins! Ich bin im Himmel.

Wer mit Jesus an Himmelfahrt loszieht, wird sich wundern: über Gottes Schöpferwillen, über die menschliche Gestaltungskraft (die ja auch daher kommt) und manchmal müssen wir uns wundern über den menschlichen Zerstörungswillen. Dann hilft uns vielleicht sogar der Blick auf den Bollerwagen, den Jesus gezimmert und in den er uns viel Gutes eingepackt hat. Sein Weg auf dieser Erde hat die menschlichen Versagens- und Zerstörungskünste gesehen und gespürt. Er hat es nicht dabei belassen. Ja, wenn man so will, er hat sein Kreuz umgezimmert zu einem Gefährt für unsere Last – auch unser menschliches Versagen. Er geht mit uns, um uns den Himmel zu zeigen, der uns blüht.

Es tut mir gut rauszugehen: Ich sehe den Himmel und er steht für den leichten, fröhlichen Glauben eines erfüllten Lebens, trotz der schwierigen Zeit. Und ich lebe unter diesem Himmel mit dem Bollerwagen Jesu in meiner Hand. Gott sei Dank.

Vitus Schludermann,
Pfarrer an der Matthäuskirche Kempten
(Wort zum Sonntag in der Allgäuer Zeitung, 8./9. Mai 2021)

Weitere „Wort(e) zum Sonntag"  aus der Allgäuer Zeitung (ab März 2020) finden Sie hier.