KEINE Überforderung

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Zu schwer, zu anstrengend, zu viel, zu … - Ich fühle mich einfach überfordert!“ In einer Welt, die immer schneller, immer komplexer und immer fordernder wird macht sich schnell das Gefühl von Überforderung breit. „Das-schaff´-ich-nicht!“-Gedanken schwirren mir durch meinen ohnehin schon vollen Kopf und machen mir das Leben schwer; sie nehmen mir etwas von der Leichtigkeit, die ich doch auch schon so oft spüren durfte. Kommt Ihnen das bekannt vor? Die hohen Anforderungen des Dienstvorgesetzten? Oder die Erwartungen der Verwandtschaft? Die vielen geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze, die man einfach zu beachten hat?

Ja, und der religiöse Teil meines Lebens ist da leider auch oft keine Ausnahme. Irgendwie gibt es ihn doch, diesen kleinen Druck, der in meinem Hinterkopf schlummert, dem lieben Gott auch noch genügen zu wollen, seine Weisungen für uns Menschen ernst nehmen und danach handeln zu wollen.

Da höre ich den Predigttext für den kommenden Sonntag wie eine regelrechte Befreiung. Im 5. Buch Mose sind die Hauptgedanken der Gesetze, die Gott seinem Volk gegeben hat noch einmal zusammengefasst. Und am Ende heißt es: „Dieses Gesetz, das ich euch heute gebe, ist nicht zu schwer für euch, als dass ihr es nicht verstehen und befolgen könntet. Es ist nicht hoch oben im Himmel, so unerreichbar, dass ihr fragen müsstet: `Wer soll für uns in den Himmel hinaufsteigen und es herabholen, damit wir es hören und befolgen können?´ Es ist nicht auf der anderen Seite des Meeres, so weit entfernt, dass ihr fragen müsstet: `Wer soll übers Meer fahren, um es zu holen, damit wir es hören und befolgen können?´ Nein, seine Botschaft ist euch ganz nah; sie liegt auf euren Lippen und in eurem Herzen, sodass ihr sie befolgen könnt.“

Puh, das klingt so nach “Jetzt entspann dich zuerst einmal!“ Für mich liegt in diesen Versen eine ganz große Entlastung. Gott will uns nicht auch noch überfordern. Er mutet uns nichts zu, was wir nicht leben könnten. Und worin liegt sein Geheimnis? Nicht darin, dass er uns nicht herausfordert oder uns nichts zutraut, sondern darin, dass er uns seine Hilfe zusagt. Wenn er uns etwas auferlegt, so heißt es in einem Psalm, dann immer auch mit der Zusage seiner Unterstützung. Wir müssen das Leben mit seinen Herausforderungen nicht alleine meistern. Wir müssen die Weisungen Gottes nicht aus eigener Kraftanstrengung einhalten. Das könnten wir auch gar nicht. Wir dürfen seine Unterstützung annehmen. Und das ist garantiert kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck eines tiefen Vertrauen in den, der uns durch seine Weisungen zum Leben befreien will.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche,

Ihr Pfarrer Sebastian Strunk