Kraft, Liebe und Besonnenheit

Jutta Schröppel
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Nach einer Unterbrechung von mehreren Monaten angesichts von Corona gab es vor kurzem wieder grünes Licht für eine Teamsitzung. Entsprechend der Regelungen in kleinerer Runde und mit großzügigem Abstand. Eröffnet wurde die Besprechung mit der Frage nach den Erfahrungen in der Corona-Zeit und der Frage nach den Veränderungen des Arbeitsalltags in der Zeit des Lockdowns. Bei aller Unterschiedlichkeit der Rückmeldungen der verschiedenen Berufsgruppen war eines markant: Der Begriff „Unsicherheit“ zog sich wie ein roter Faden durch die Antworten. Man wisse nicht, ob da nicht doch noch eine zweite Welle komme. Die Tatsache, dass überhaupt nicht klar sei, wie lange man unter Berücksichtigung der vorgegebenen Maßnahmen arbeiten müsse, lasse einen mit großer Unsicherheit zurück. Es sei sehr unsicher, wann die beruflichen Aufgaben wieder im normalen Umfang und auf gewohnte Weise wahrgenommen werden können. Mit diesen Äußerungen hatten die Kolleginnen ihre Wahrnehmungen mitgeteilt.

Als ich an der Reihe bin und meine Erfahrungen reflektiere, wird mir zweierlei bewusst. Zum einen, dass auch ich erlebt habe, dass sich in mir ein Gefühl von Unsicherheit breit machte. Zum anderen, dass es einen Zeitpunkt gab, an dem dieses Gefühl von mir abfiel, wie eine Last, die von meinen Schultern fiel. Wie es dazu kam, kann ich nicht erklären. Ich kann nur beschreiben, dass dieses Gefühl von Unsicherheit einem Gefühl von tiefem Vertrauen wich. Nämlich dem Vertrauen, dass es etwas gibt, das weiter reicht als meine Kraft und meine Möglichkeiten.  Das ist Gottes Geist und Kraft. Seine Fürsorge und Liebe, die jedem Einzelnen gilt. Der Verfasser des 2. Timotheusbriefes hält diese Glaubenserfahrung in seinem  1. Kapitel in Vers 7 fest. Er schreibt: Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Dieser Vers ist mir im Laufe meines Lebens zu einem wichtigen Begleitwort und zu einer echten Kraftquelle geworden. Mit ihm erlebe ich gerade in diesen Wochen und Monaten, wie sich das, was ich glaube, im Alltag bewährt.

Gott stärke in uns das Vertrauen in seinen Geist inmitten unserer so gebeutelten Welt und inmitten unserer Sorgen um unsere persönliche Existenz. Dann werden nicht Unsicherheit und Angst unser Dasein beherrschen, sondern der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Pfarrerin Jutta Schröppel!