Nehmt die Masken ab!

Pfarrer Andy Gatz
Bildrechte: Andy Gatz

Ab dem kommenden Montag gilt in allen Bundesländern die Maskenpflicht: Ob nun Mund-Nase-Schutz, als community masks oder als Schal, liebevoll selbstgestaltet oder als ein rares Medizinprodukt: Wir werden uns an den Anblick gewöhnen müssen. Wir schützen unsere Gesellschaft dadurch, dass wir unser Gesicht in der Öffentlichkeit verhüllen. Ein ungewohnter Gedanke...

Aber ist das wirklich so neu? Setzen wir sonst keine Masken im Alltag auf? Viele Menschen haben Angst, ihr Gesicht zu verlieren, wenn sie ihre Maske ablegen. Welch skurriler Gedanke. 

"Was sagen wohl die Nachbarn, wenn sie merken, dass mich Haushalt, Homeschooling und Homeoffice überfordern?" "Wie reagieren meine Kinder, wenn ich mich als Vater auch einmal verletzlich zeige und Fehler zugebe?" "Wer nimmt mich den noch ernst, wenn ich jetzt Schwäche zeige...?!"

Die Masken, die wir tragen mögen harmlos sein. Oder eben manchmal auch nicht. Die Masken, die wir tragen schützen uns. Wir wollen ja anderen nicht immer offenlegen, wie wir wirklich sind. Wir schützen auch das positives Selbstbild, dass wir von uns haben - und verbergen, verdrängen, maskieren das, was nicht so sehr ins Bild passt. Hinter der Fassade mag es noch so duster sein, die Hauptsache ist doch, der schöne Schein bleibt gewahrt. 

Mir tut es gut, hinter meiner Maske auf Gott zu vertrauen. Er kennt mich durch und durch. Auch der Beter aus dem 139. Psalm kennt dieses Gefühl. "Gott sieht alles" – diese Drohung, musste früher manchmal auch als Mittel der Pädagogik herhalten. Aber in dem Psalm finden wir genau das Gegenteil: Geborgen und sicher darf ich mich fühlen, weil ich weiß, dass Gott mich von allen Seiten umgibt und seine Hände schützend über mich hält.

Lassen Sie uns die Masken ablegen.

Und: Lassen Sie uns füreinander Freiräume schaffen, wo auch andere ihre Masken ablegen können - um aufzuatmen, um wirklich zu sich selbst zu kommen, um frei zu sein vom Maskenzwang. Lassen Sie uns die Masken ablegen oder zumindest ein wenig lüften. Im Vertrauen auf den Gott, der uns besser kennt, als wir selbst uns kennen. Der uns liebt, wie wir sind. Und der uns erschaffen hat zu seinen Ebenbildern.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche, bleiben Sie behütet

Ihr Pfarrer Andy Gatz
Christuskirche Kempten