Wort zum Sonntag, 15./16. August 2020

Ist die Welt noch zu retten, das fragen sich viele Menschen – immer wieder.

Wie viele müssen es sein, um die Welt zu retten? So viele, dass Gottesdienst gefeiert wird, dass Gott ins Zentrum gerückt wird.

Im Gefängnis erzähle ich gerade von Abraham, an diesem Sonntag aus dem 18. Kapitel des 1. Buch Moses.

Abraham – ein Mensch, von Gott erwählt, der Erzvater Israels. Er hat sich auf Gottes Ruf hin auf den Weg gemacht, er vertraut Gottes Zusage: „Ich werde dich segnen!“ Und vielleicht spürt er auch, dass die Fortsetzung der Verheißung ebenfalls wahr ist: „Und du, Abraham, wirst ein Segen sein!“

Gott hat ihn besucht – fast naiv könnte einen die Erzählung anmuten. Ihm und seiner Frau Sara wurde die Verheißung bestätigt. Dann aber, als der Besuch – Gott – schon wieder aufbricht und Abraham ein Stück des Weges mitgeht, ändert sich alles. Keine Rede mehr von Segen und Verheißung.

Gott unterhält sich mit Abraham. Klagegeschrei wegen allergrößten Unrechts, als „Zeter und Mordio" auch im mittelalterlichen Deutschland bekannt, war vor Gott gekommen, das Geschrei, das ein Gerichtsverfahren eröffnet. Hier ist klar, es wird zur Verurteilung kommen.

Da setzt Abraham ein: „Willst du, Gott, wirklich den Gerechten zusammen mit dem Frevler wegraffen? Vielleicht sind fünfzig Gerechte in der Stadt… Das sei ferne von dir! Der Richter der ganzen Erde, sollte der nicht Recht üben?“

Gott lässt sich darauf ein: „Wenn ich in Sodom fünfzig Gerechte in der Stadt finde, werde ich dem ganzen Ort um ihretwillen vergeben… Ich werde sie nicht verderben, wenn ich dort fünfundvierzig, vierzig, dreißig, zwanzig, zehn finde…“ Danach frägt Abraham nicht weiter.

Warum ist gerade bei 10 Menschen die Grenze? Für uns nicht einfach nachvollziehbar, aber trotzdem sehr logisch: Dort, wo kein Gottesdienst mehr gefeiert wird, dort wo Gott völlig in Vergessenheit gekommen ist, dort, wo es keinerlei Vertrauen mehr auf Gott gibt, da ist die Grenze erreicht. Zehn Menschen brauchte es damals, um Gottesdienst zu feiern - zehn Menschen hätten gereicht.

Wie viele müssen es sein, um die Welt zu retten? So viele, dass Gottesdienst gefeiert wird, dass Gott ins Zentrum gerückt wird.

Das stille oder laute Gebet des Einzelnen; wo zwei oder drei in Gottes Namen versammelt. Wo (wirklich) Gottesdienst gefeiert wird, wo wirklich Gott ins Zentrum gestellt wird, auf ihn vertraut wird, da schenkt Gott Rettung und Heil. Gott sei Dank!

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Ihre Gefängnispfarrerin Annegret Pfirsch