"Wort zur Woche" vom 16. Februar 2019

Pfarrerin Andrea Krakau

In einem Gleichnis erzählt Jesus im Matthäusevangelium von einem Weinbauern, der an einem heißen Tag während der Ernte nach und nach immer mehr Arbeiter in seinen Weinberg holt. Am Ende haben einige sich den ganzen Tag abgerackert, andere dagegen nur einige Stunden oder sogar nur eine einzige Stunde. Als am Abend die Arbeit geschafft ist und es an die Bezahlung geht, bekommen zuerst die ihren Lohn, die nur kurz gearbeitet haben. Ganz nach dem biblischen Motto: „Die Letzten werden die Ersten sein.“ Aber nicht nur das, denn nach und nach stellt sich heraus: Alle bekommen das Gleiche, nämlich den damals üblichen Tagessatz – egal, wie lange sie geschuftet haben.

 

Da ist der, der verschwitzt ganz hinten in der Schlange steht. Einer von denen, die am frühen Morgen Arbeit gefunden haben. Er wurde angesprochen – ein Silbergroschen pro Tag ist okay, da kann man nichts dagegen sagen. Das entspricht genau dem, was man zum Leben so braucht.

 

Da ist der andere, der den ganzen Tag keine Arbeit gefunden hat, nicht wusste, wie er am Abend seiner Familie seine leeren Hände erklären sollte. Und dann, kurz bevor er die Arbeitssuche aufgibt, wird auch er angesprochen: „Geh noch in meinen Weinberg arbeiten, über den Lohn werden wir uns einig.“ Erwarten kann er nicht viel, aber besser etwas als gar nichts.

 

Und da ist schließlich der Chef, der am frühen Morgen hinausgeht und Arbeiter für seinen Weinberg einstellt. Den einen früher, den anderen später. Am Ende des Tages bezahlt er allen den gleichen Lohn. Aber nicht aus Gemeinheit, oder um die Arbeiter zu provozieren, nicht um alle gegen sich aufzubringen – sondern aus lauter Güte.

 

Eigentlich könnten alle zufrieden sein – denn jeder bekommt das, was er zum Leben braucht. Aber natürlich gab es trotzdem Ärger. Weil diejenigen, die den ganzen Tag geschuftet haben, sich ungerecht behandelt fühlten. Schließlich haben die Kurz-Arbeiter das Gleiche bekommen. Und da kommt Neid und Missgunst auf.

Die Güte des Weinbergbesitzers scheint nicht von dieser Welt zu sein – unlogisch und ungerecht, und nicht gleich zu verstehen. Und doch ist es gerade diese Güte, die uns ganz viel über Gott und sein Verständnis von Gerechtigkeit erzählt: Gott gibt uns Menschen das, was wir täglich zum Leben brauchen – und nicht nur das, was wir verdienen.