Auf dem Weg zum „Grünen Gockel"

Alle evangelischen Kirchengemeinden der Region Kempten nehmen am Umweltprogramm „Grüner Gockel" teil

 

Was ist „Der Grüne Gockel"?

Der Grüne Gockel ist das Zertifikat für ein Umweltmanagementsystem in Kirchengemeinden und kirchlichen und diakonischen Einrichtungen. Es orientiert sich an den Vorgaben in der EU-Verordnung für Umweltmanagement und -audit (EMAS III-Verordnung). Sie zielt darauf ab, die Arbeit vor Ort zunehmend umwelt- und klimafreundlicher zu gestalten. Dafür legt es fest, wer dabei wann und wie genau welche Aufgaben und Maßnahmen übernimmt.

Die christliche „Ethik des Genug“ motiviert zu einem schöpfungsfreundlichen, nachhaltigen Lebensstil. Gemeinden und Einrichtungen mit dem Grünen Gockel legen bewusst Umweltschwerpunkte in der Bildungsarbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, bei Anschaffungen, oder bei Neubau und Sanierung ihrer Gebäude und Liegenschaften.

Zukunftsfähig werden
Auch finanziell macht Umwelt- und Klimaschutz die Gemeinden und Einrichtungen zukunftsfähig. Über 20 Jahre Erfahrungen mit dem Grünen Gockel zeigen: Angepasstes Nutzerverhalten verringert z.B. den Wärmeenergiebedarf dauerhaft um 10 bis 20 %, den Stromverbrauch um 10 %, den Wasserverbrauch um 5 bis 20 %. In den ersten drei, vier Jahren mit Umweltmanagement sparen Gemeinden durchschnittlich rund 5.000 Euro jährlich an laufenden Kosten – mit Investitionen deutlich mehr. Zertifizierten Gemeinden gewährt die Landeskirche zusätzliche 5 % an Zuschüssen zu allen Bau- und Sanierungskosten.

Ein Umweltteam übernimmt die Bestandsaufnahme und plant dann für das Umweltprogramm mögliche Maßnahmen und Projekte für die Zukunft, die das Leitungsgremium verbindlich beschließt. Nach der Zertifizierung sorgt es dafür, die geplanten Maßnahmen und Projekte umzusetzen und zu dokumentieren.

Mehr Informationen dazu finden Sie hier:
- Flyer zum „Grünen Gockel" (kurz)
- Infobroschüre zum „Grünen Gockel" (ausführlich)
- Umwelt- und Klimaarbeit der ELKB: https://umwelt-evangelisch.de/

 

Startschuss für den „Grünen Gockel" im Dekanat Kempten

Am 25. Juni 2021 war es soweit: Im evangelischen Gemeindehaus der St.-Mang-Kirche trafen sich Ehrenamtliche aus zehn Kirchengemeinden. Dabei waren Vertreter*innen der katholischen Pfarrei St. Hedwig und neben allen evangelischen Gemeinden Kemptens auch der Gemeinden aus Waltenhofen, Sonthofen, Füssen und Kaufbeuren. Eingeladen hatten Dr. Wolfgang Schürger, der Beauftragte für Umwelt- und Klimaverantwortung der Evangelischen Landeskirche aus München, und Dekan Jörg Dittmar. Dr. Schürger stellte den ehrenamtlichen „Umweltaktivisten“ das Umweltmanagement-Programm „Grüner Gockel“ vor und erklärte, wie die Gemeinden in zehn Schritten das begehrte Umweltzertifikat erlangen können.

Zeit zum Handeln
Dekan Dittmar erzählte, dass er 2010 – noch ganz neu auf seinem Posten – bei einer Pfarrkonferenz versucht habe, seine Mitarbeiter vom ökologischen Umschwung mit dem „Grünen Gockel“ zu begeistern. Damals war wohl die Zeit noch nicht reif. Heute ist sie es, auch dank des Engagements der Jugend bei Fridays for Future und des allgemeinen Bewusstseins um den Klimawandel. Als Einzelkämpfer*in gerät man schnell an seine Grenzen. Deshalb ist der „Grüne Gockel“ genau das Richtige, in den Kirchengemeinden die Bewahrung der Schöpfung zeitgemäß umzusetzen. Dazu gibt es viele mögliche Schritte, z.B. die Einsparung von Energie und Wasser, den Einsatz erneuerbarer Energien, nachhaltigen Einkauf und die langsame Umwandlung der Pfarrgärten in insektenfreundliche Paradiese.

Am Anfang: Bestandsaufnahme
Laut Dr. Schürger könne man den Konvoi im Allgäu eher als Seilschaft bezeichnen. Der erste echte Steilhang sei die Bestandsaufnahme der harten Fakten: Nach der Ermittlung dieser Umweltkennzahlen wie Strom- und Wasserverbrauch, Alter und Einstellung der Heizungen ließe sich ein Umweltprogramm für die Gemeinde erstellen.

Ideenaustausch und Synergien
Was dann tatsächlich umgesetzt werden kann, hängt von der Kreativität des Umweltteams ab. Bei seinen monatlichen Treffen entwickelt es Ideen, wie man zum Beispiel eine nicht ganz preiswerte Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Gemeindehauses finanziert. Dazu ist es sehr hilfreich, dass sich die Leiter*innen der Umweltteams alle paar Wochen im Konvoi treffen und zusammen mit Dr. Schürger ihre Ideen austauschen. Somit entstehen Synergieeffekte, von denen alle Beteiligten profitieren. Außerdem ist der Umweltbeauftragte des Dekanats, Werner Bogner, das Bindeglied zwischen den teilnehmenden Gemeinden.

Schöpfungsleitlinien als Wegweiser der Gemeinden
Vor dem Steilhang der Bestandsaufnahme steht aber für alle Gemeinden die Formulierung der Schöpfungsleitlinien und ihre Präsentation bei einer Auftaktveranstaltung. Hier soll die Gemeinde für das Programm begeistert und angeregt werden, selbst über das Thema nachzudenken und Ideen beizutragen. Aus dem Ideenpool kann das Umweltteam in seiner weiteren Arbeit schöpfen, oft auch direkt unterstützt von Gemeindemitgliedern, die sich von der Begeisterung für die Initiative mitreißen lassen.

Schöpfung gestalten und erhalten
Für uns Christen ist die Initiative „Grüner Gockel“ noch weit mehr als ein Umweltzertifikat. Sie soll dazu beitragen, die Schöpfung mit neuen Augen zu sehen, sie noch für viele weitere Generationen lebenswert zu gestalten und Gott damit zu danken, dass er uns sein Werk in verantwortungsvolle Hände gelegt hat.

Karin Lucke-Huss