Bericht über
„Eine ökumenische Reise zwischen Trier, Maria Laach und Speyer“
der kath. Pfarreiengemeinschaft Kempten-West / Franziskuskirche und der evangelischen Johanneskirche, Kempten
Das Motto einer ökumenischen Reise an Rhein, Lahn und Mosel:
„Miteinander entdecken, was uns eint“
Die Busreise der katholischen Pfarreiengemeinschaft Kempten-West (insbesondere der Franziskus-Gemeinde) und der evangelischen Johanneskirche vollzog sich unter vielen Symbolen.
Sie startete mit 42 Teilnehmenden am Pfingstmontag, stand unter dem Zeichen der Ökumene und endete am Dreifaltigkeitssonntag. Damit erinnerte sie einmal an das Pfingstwunder der Ausgießung des Heiligen Geistes, durch das die Menschen sich in fremden Sprachen verständigen konnten, anders gesagt: An den Geburtstag unserer Kirche. Als Leitbild der Reise diente der Begriff Ökumene, somit das Symbol der Verbundenheit aller Christen als „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“. Zurück kehrten die Reisenden im Bewusstsein der Dreieinigkeit Gottes, nachdem sie Gotteshäuser in Limburg, Maria Laach, Worms, Mainz und Speyer besucht und am Mittelrhein sehr intensiv die Erfahrung mit Hildegard von Bingen gemacht hatten.
Die Fülle von Eindrücken, das erlebte Ausmaß von Stimmungen, Einfühlungen und Verstehen auf dieser Kundfahrt waren persönlich und in der Gruppe so zahlreich, dass es nicht möglich ist, sie komplett darzustellen. Deshalb hat sich der Autor entschieden, dem Vorschlag der Teilnehmerin Karin Lucke-Huss zu folgen, quasi telegrammartig und superlativisch einige Höhepunkte, Glanzlichter in zeitlicher Abfolge zu beschreiben.
LIMBURG: Der Limburger Dom, 1235 geweiht, hat als einziger in Deutschland sieben Türme; er gilt kunstgeschichtlich als einheitlichster Kirchenbau in der Zeit des Stilwandels zwischen Romanik und Hochgotik, erinnert theologisch an das „Neue Jerusalem“, die himmlische Gottesstadt, die wie eine Verherrlichung des Bibelworts auf dem felsigen Steilufer der Lahn emporwächst: „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen“.
MARIA LAACH: die Basilika der Benediktiner (gegründet 1093) in der Osteifel gilt als eines der schönsten romanischen Bauwerke in unserem Land. Der derzeitige Abt, Augustinus Sander OSB, ist im Auftrag seiner Kirche seit Jahren eingebunden in vielfältige ökumenische Aufgaben. Wir erlebten u.a. den Bibliotheksbau von 1865: Mit seiner großartigen gußeisernen Treppe- und Brüstungskonstruktion für über 200.000 Medien gehört er zu den besterhaltenen Bibliotheksbauten des 19. Jahrhunderts in Nachfolge zu den großen Klosterbibliotheken.
Das Laacher Seetal ist das größte Naturschutzgebiet in Rheinland-Pfalz, der See mit seinen 3,3 Quadratkilometern ist zudem der größte in diesem Bundesland.
TRIER (röm. Augusta Treverorum): Diese Stadt liegt, wie alle Kemptner wissen, im Dauerhader mit Kempten, welche die älteste Siedlung in Deutschland ist. Auf dieser Reise lern-ten wir ohne Demut, dass auch Mainz, Worms und Speyer altersmäßig in diesen Zwist eingebunden sind: wir gehen nicht weiter darauf ein.
Fakt ist: Trier ist das älteste Bistum in Deutschland, wurde um 270 n. Chr. gegründet. Der Dom zu Trier geht zurück auf 313 n. Chr. , ist somit auch die älteste Kirche in Deutschland. Nach mittelalterlicher Überlieferung hat Helena, die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, ihr Haus dem Trierer Bischof Agritius zum Umbau als Bischofskirche geschenkt. Seit Ende des 2. Jh. n. Chr. gibt es somit in Trier eine christliche Gemeinde. Die kostbarste Reliquie des Doms ist der Heilige Rock, die Tunika Christi. Er soll von Helena nach Trier gebracht worden sein und gilt als ein Symbol der einen und eigentlich ungeteilten Kirche.
In der Basilika der Benediktinerabtei St. Matthias (1148 geweiht im Beisein von Papst Eugen und Bernard von Clairvaux) sind nicht nur die Gräber der ersten Trierer Bischöfe Eucharius und Valerius, sondern mit dem Schrein der Gebeine das Apostel Matthias auch das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen. Auch sie wurden durch Kaisermutter Helena aus Palästina nach Trier überführt.
DISIBODENBERG und EIBINGEN: Nach Erreichen der Klosterruinen auf dem Disibodenberg, die dominierend über steilen Rebhängen mit einem Waldschopf von uralten Bäumen nahe Bad Sobernheim thronen, wurde die Reisegruppe aus Kempten eines Ortes von besonderer Ausstrahlung in gesegneter Landschaft gewahr; diese ließen ahnen, wie sie einst (und vielleicht bis heute) der Suche nach Gott dienlich sind. Dieser Platz zählt wohl zu den geheimnisvollsten, aber auch spurenträchtigsten Geschichtsorten in Deutschland: hier lebte von 1122 bis 1150 als Klosterfrau die Heilige Hildegard von Bingen als Visionärin, Prophetin, Heilkundige, Komponistin und Kirchenlehrerin. Sie gilt nicht nur als mystische Seherin, sondern vor allem als die in theologischen und naturwissenschaftlichen Dingen kundigste Frau des deutschen Mittelalters.
1150 übersiedelte sie in das von ihr gegründete Kloster Rupertsberg bei Bingen, 1165 gründete sie in Eibingen bei Rüdesheim ihr zweites Kloster. In der heutigen Pfarrkirche werden ihre sterblichen Überreste in einem vergoldeten Schrein aus Kupfer aufbewahrt. Schließlich besuchten wir noch die Abtei St. Hildegard, ein Benediktinerkloster in den Eibinger Weinbergen, gut 200 m über dem Rhein, und erlebten die Vesper mit den Benediktinerinnen.
WORMS (röm. Borbetomagus oder Civitas Vangionum, hebr. Warmaisa): In kaum einer europäischen Stadt kann man so viele bedeutende bauliche Zeugnisse jüdischer Geschichte und Tradition aus zehn Jahrhunderten erleben wie in Warmaisa, so der hebräische Name für Worms, einst auch „Klein Jerusalem“ geheißen. Zudem ist Worms untrennbar verbun-den mit den wichtigsten Episoden der Nibelungensage, einem Heldenepos aus den vorchristlichen Zeiten der Germanen.
Im 4. Jh. wurde Worms Bischofssitz. Im Mittelalter war es Schauplatz von über hundert Reichstagen.
Der Wormser Dom (11. / 12. Jh.), „die Krone der Stadt“, zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen des hoch- und spätromanischen Baustils in Deutschland. Der barocke Dom-Haupt-altar ist ein Werk Balthasar Neumanns.. Unter dem Chor ruhen in einer Gruft Mitglieder der Königsfamilie der Salier.
Das riesenhafte Luther-Denkmal in der Oberstadt erinnert an den Reichstag 1521 in Worms, auf dem Martin Luther seine reformatorischen Thesen gegenüber Kaiser Karl V. verteidigte, auch nicht widerrief, weshalb er, todgeweiht, der Reichsacht verfiel.
Um die gewaltige Luther-Figur stehen in Bronze historische Wegbereiter der Reformation, Luthers Unterstützer und als Frauenfiguren die luthernahen Städte Speyer, Augsburg und Magdeburg.
Am „Heilgen Sand“ suchten wir den jüdischen Friedhof auf, den ältesten Gottesacker für Juden in Europa. Etwa 2500 Grabsteine erstreckten sich über die welligen Grabfelder, 1200 davon auf dem alten Teil, der älteste stammte von 1058/59. Worms hatte sich in tausend Jahren über alle Vertreibungen und Progrome hinweg bis in die NS-Zeit zu einem herausragenden Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit entwickelt mit weiter Ausstrahlung in das rechtsrheinische Aschkenas, wie die hebräische Bezeichnung für Deutschland lautet.
MAINZ (röm.. Moguntiacum, hebr. Magenza): Mainz war im alten Reich die größte Kirchenprovinz außerhalb Roms, ihre Erzbischöfe galten lange als Stellvertreter des Papstes im deutschen Reichsteil und gehörten zu den ranghöchsten Reichsfürsten. Der Dom St. Martin und St. Stephan (Grundsteinlegung 975) bildet mit den Domen in Worms und Speyer den Höhepunkt der romanischen Sakralbaukunst am Oberrhein. Wikipedia: „Das Besondere am Mainzer Dom sind seine einzigartige Kombination aus Machtsymbolik, architektonischer Vielfalt und seine zentrale Kraft in der deutschen Geschichte“.
In der Kirche St. Stephan (13. Jh.) staunten wir über die weltberühmten blauen Glasfenster mit biblischen Motiven von Marc Chagall (1887-1985), seine einzigen in Deutschland; Pfarrer Klaus Mayer (1923-2022) hatte sie bei dem 91jährigen Künstler durch Beharrlichkeit und Charisma initiiert.
Zu den Mainzer Berühmtheiten zählt auch Johannes Gensfleisch genannt Gutenberg, der 1445 den Druck mit beweglichen gegossenen Lettern und die Druckerpresse erfand und damit ein neues Zeitalter einläutete.
SPEYER (röm. Spira, hebräisch SchPIRA): Sieht seinen Ursprung um 10. v. Chr. als Civitas Nemetum, im 7. Jh. taucht als neuer Name Spira auf, als Speyer Bischofssitz wird.
Wir wendeten uns zuerst dem Dom St. Maria und St. Stephan zu, die größte romanische Kirche der Welt. (Bauzeit 1030 bis 1124). Seine Entstehung verdankt er der Salierdynastie, die 1024 bis 1125 die Kaiser und Könige im Reich hervorbrachte. Acht von ihnen sind in der 1041 geweihten Krypta bestattet worden. Auch nachfolgende Herrscher wählten diese Krypta zum letzten Ruheort, und machten ihn damit zur bedeutendsten Grablege in Deutschland.
Einen kurzen Blick warfen wir in die 1701 – 1707 erbaute Dreifaltigkeitskirche, ein spätbarockes Gesamtkunstwerk von überwältigender Ausstrahlung. Sie gilt als „herausragende Leistung evangelischer Kirchenbaukunst und als Juwel des Barock“.
Im Mittelalter gehörte Speyer zu den wichtigsten jüdischen Siedlungen nördlich der Alpen. Den Grund dafür hatte Bischof Rüdiger Hutzmann 1084 gelegt, als er Juden aus Mainz in Speyer über 400 Jahre das sichere Siedeln ermöglichte. Gelehrte aus aller Welt kamen an den Rhein, um bei den „Weisen von Speyer“ zu lernen.
Wir besichtigten im Judenhof mitten in der Stadt die Ruinen der Synagoge und des Gebetsraums für Frauen, sowie die um 1120 eingerichtete Mikwe, das älteste intakte jüdische Ritualbad nördlich der Alpen, zehn Meter unter dem Straßenniveau.
Bei der Rückkehr am Dreifaltigkeitsabend dankte Pfarrer Bernhard Ott namens aller den Mitgliedern der Orgagruppe um Christine Glatthaar für die vorzügliche Vorbereitung und achtsame Durchführung, allen Teilnehmenden für die während aller Tage spürbare Haltung, miteinander zu entdecken, was uns eint.
Henning Storek