Wort zum Sonntag:

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!

m ersten Moment hört sich diese Prophezeiung aus der Offenbarung richtig gut an. Ich schaue mich in meiner Wohnung um und finde auch: es wäre gut, mal wieder zu renovieren. Die Flecken an der Küchenwand, das alte Sofa ... naja, ist aber auch alles anstrengend. Und überhaupt – alles neu.

Gerade ist so vieles neu. Gerade auch in der Kirche. Es wird alles neu. Das birgt Chancen, ist aber auch mit Unsicherheit und Trauer über das Vergangene verbunden. Der Change ist schon mit viel Arbeit, Fragezeichen verbunden. UND mit neuen Chancen.

Kirche wird modern, neue Gottesdienstformen, Pop-up Kirche, Bibelkreis in der Kneipe ...

Die immer noch wichtige Botschaft: Du bist ein gewollter und geliebter Mensch und hast die Aufgabe, Liebe, Zutrauen und Vertrauen in diese Welt zu tragen kann kreativ gestaltet werden. Gott hat offensichtlich Lust auf Frischluft und Veränderung.

Ich bin also nicht allein, wenn ich Hammer und Pinsel in die Hand nehme und beim Renovieren anpacke. Und dann freu ich mich auf eine Kirche, die wieder Lust macht!

Pfarrerin Sonja von Kleist, Markuskirche Kempten

„Wort zum Sonntag" in der Allgäuer Zeitung 24./25. Januar 2026

 

Da geht's mir wie Josef

Letzter Dienstag - Heilig Drei König: Die drei Weisen kommen zu Besuch mit prächtigen Geschenken - und Josef packt sich an den Kopf. Ehrlich, ich kann das verstehen. Die vergangenen Tage, Wochen und Monate waren ja schon fantastisch genug, doch wenn Gott und seine Engel am Werk sind, da geht’s eben nicht mehr normal zu, da fällt alles aus dem Rahmen. Die letzten Tage waren ja auch ganz okay: kein Platz in der Herberge - wen wundert’s, wenn man als armer Schlucker unterwegs ist; dann die Geburt - das Wunder des Lebens, aber nichts Außergewöhnliches; der Besuch der Hirten - da waren wieder die Engel am Werk. Und als endlich der Alltag einkehrte, schon wieder Besuch. Nicht die Verwandtschaft aus Nazareth, nein, dieser Besuch kam von weiter weg und spielte in einer ganz anderen Liga.

Ich glaube, Josef ahnte sofort, dass diese Gäste nicht wegen ihm kamen. Waren auch nicht besonders höflich, hatten nur Augen für das Kind - und ein wenig für Maria. Kein „Hallo“ oder ein „Kommen wir vielleicht ungelegen?“ Und dann ihr Verhalten: Knieten sich vor dem Kind hin und huldigten ihm. Und kramten Geschenke hervor, die das Jahreseinkommen eines Zimmermanns um ein Vielfaches übertrafen. Und Josef packt sich an den Kopf.

Vielleicht ist das der Moment, in dem Josef ein Licht aufgeht. Dieses Kind, sein Kind quasi, das Kind, für das er jetzt verantwortlich ist, das sprengt den Rahmen; mit dem Kind kommt etwas ganz Neues in die Welt; in dem Kind kommt Gott zur Welt. Josef kapiert es. Besser spät als nie. Bei ihm. Und bei mir. Und bei Ihnen auch?

Pfarrer Vitus Schludermann, Matthäuskirche Kempten

„Wort zum Sonntag" in der Allgäuer Zeitung 10./11. Januar 2026

 

Weihnachts-Blues

So ein Stress! Wochenlang hat sich Weihnachten angebahnt. Voll Warten auf Plätzchenteig, der gehen muss, auf Pakete, die laut App seit Tagen in irgendeinem Versandlager feststecken, und Warten auf die Feiertage.

Doch dann ging alles ganz schnell. Heiligabend: Weihnachtsgottesdienst, Essen mit der Familie, Pakete aufreißen, der traditionelle Streit, wieder Essen und schließlich die Feuerzangenbowle, die alle ein wenig betäubt. Das Ganze natürlich nochmal am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag - das Los einer Patchwork-Familie. Am Ende bleiben ein Berg dreckiges Geschirr, Tupperdosen voll Essen, Geschenkpapier - und ein wenig die Erleichterung, dass der Stress nun vorbei ist.

Doch gerade, als ich die Wohnung geputzt habe, erscheint mir noch ein weiterer Gast: mein Weihnachts-Blues. Der ist nicht besinnlich und schon gar nicht feierlich gestimmt, nein - er setzt sich einfach neben mich aufs Sofa. Er hat beschlossen, noch ein paar Tage zu bleiben. Zwischen Geschenkpapierknäueln und dem Piepen der Spülmaschine flüstert er mir ganz leise ins Ohr: „Und? Was jetzt?“

Keine Ahnung! In mir ist Leere. So zünde ich eine Kerze an - nicht den Adventskranz, einfach eine Kerze - und blicke in ihre Flamme. Ich atme tief ein und erinnere mich an die vergangenen Tage, an das Gute wie das Schlechte, und räume es behutsam auf. Alles bekommt seinen Platz.

Und ganz leise ertönt in der Ferne ein Lied: „Stille Nacht, Heilige Nacht.“

Pfarrer Florian Schiermeier, Jugendarbeit im Dekanat Kempten und Hochschulseelsorge in Kempten

„Wort zum Sonntag" in der Allgäuer Zeitung 27./28. Dezember 2025