Wort zum Sonntag:

Gefühl – mit Liebe angeschaut: Altarkreuz mit ausgeschlagener Bibel und "Herz"-Brille
Bildrechte Martin Weinreich

Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte

Am Aschermittwoch startete die evangelische Fastenaktion „7 Wochen Ohne“. Bis zum 6. April lädt sie dazu ein, die Passionszeit bewusst zu erleben – unter dem Motto: „Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“ 

Härte kann sich im Alltag auf viele Weise zeigen: in scharfen Worten, in Situationen, die uns verletzen oder sprachlos machen. Oft legen wir selbst einen Panzer an, um uns zu schützen – und merken doch, wie sehr wir uns damit voneinander entfernen. 

Die Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ lädt 2026 dazu ein, einen anderen Weg zu gehen. Einen Weg, den Gott gegangen ist: Er zeigt Gefühl, ist barmherzig. Gott hat ein Herz für uns. Er ist liebevoll, schaut uns in Liebe an! Das hat er in Jesus getan. Bis ans Kreuz. Jesus sieht uns durch die Brille seiner Liebe und Barmherzigkeit. Er sieht uns schon so, wozu seine Liebe uns verändert – hier und in Ewigkeit. Das dürfen wir ihm zutrauen. 

Und Jesus möchte uns die Brille der Liebe und der Barmherzigkeit aufsetzen. Dass wir die Menschen immer mehr durch sie sehen können. Und auch barmherzig mit uns selber sind.

Dazu regt die Fastenaktion „Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“ an: Wahrzunehmen, wenn ein anderer Mensch gerade von Schwierigkeiten betroffen ist. 

„Das können wir tun: einander festhalten im Schmerz und auf den Weg Gottes schauen, der uns herausführen kann", empfiehlt Ralf Meister, Landesbischof in Hannover und Botschafter von „7 Wochen Ohne“. 

Sieben Wochen lang kann jede und jeder ausprobieren, wie befreiend es sein kann, Härte hinter sich zu lassen und Gottes liebevollen Blick auf die Welt zu teilen. So kann die Passions-zeit zu einer Zeit werden, die verändert.

Pfarrer Martin Weinreich, Christuskirche Kempten

„Wort zum Sonntag" in der Allgäuer Zeitung 21./22. Februar 2026

 

 

 

2026: Sei mutig und stark!

2026 - das neue Jahr ist jetzt schon wieder über einen Monat alt- trotzdem habe ich das Gefühl, es liegt vor mir wie weites Land. Ein neues Jahr voller Herausforderungen, Möglichkeiten, Chancen. Neugierig, aber auch besorgt bin ich im Blick auf die Zukunft. Mutig will ich in dieses Jahr starten, Neues wagen, mich den

Herausforderungen 2026 stellen. Dabei helfen mir die Mutmachworte Gottes an Josua und das Volk Israel. Als sie nach der Flucht aus Ägypten endlich den langen Weg durch die Wüste geschafft hatten, als sie kurz vor dem Übertritt in das verheißene Land standen, sprach Gott zu Josua:

„Sei mutig und stark, lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst, denn ich, der Herr, dein Gott, bin mit dir, wohin du auch gehst.“ Was erwartet uns 2026? Werden wir weiter in Frieden leben? Werden unsere Lieben und wir selbst gesund bleiben? Bleibt unsere Gesellschaft eine stabile Solidaritätsgemeinschaft?

Die Zukunft liegt vor uns wie weites Land. Jeder Tag bietet Möglichkeiten, Gutes zu tun: Durch ein freundliches Lächeln, mutmachende Worte, aber auch durch beherztes Eingreifen, wenn um uns herum Unrecht geschieht- so gestalten wir unsere Zeit mit. Lassen wir uns nicht einschüchtern und haben wir keine Angst, denn der Herr, unser Gott ist mit uns, wohin wir auch gehen. Er ermutigt uns: Sei mutig und stark- ein gutes Motto für 2026, finde ich.

Dekanin Dorothee Löser

„Wort zum Sonntag" in der Allgäuer Zeitung 7./8. Februar 2026

 

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!

Im ersten Moment hört sich diese Prophezeiung aus der Offenbarung richtig gut an. Ich schaue mich in meiner Wohnung um und finde auch: es wäre gut, mal wieder zu renovieren. Die Flecken an der Küchenwand, das alte Sofa ... naja, ist aber auch alles anstrengend. Und überhaupt – alles neu.

Gerade ist so vieles neu. Gerade auch in der Kirche. Es wird alles neu. Das birgt Chancen, ist aber auch mit Unsicherheit und Trauer über das Vergangene verbunden. Der Change ist schon mit viel Arbeit, Fragezeichen verbunden. UND mit neuen Chancen.

Kirche wird modern, neue Gottesdienstformen, Pop-up Kirche, Bibelkreis in der Kneipe ...

Die immer noch wichtige Botschaft: Du bist ein gewollter und geliebter Mensch und hast die Aufgabe, Liebe, Zutrauen und Vertrauen in diese Welt zu tragen kann kreativ gestaltet werden. Gott hat offensichtlich Lust auf Frischluft und Veränderung.

Ich bin also nicht allein, wenn ich Hammer und Pinsel in die Hand nehme und beim Renovieren anpacke. Und dann freu ich mich auf eine Kirche, die wieder Lust macht!

Pfarrerin Sonja von Kleist, Markuskirche Kempten

„Wort zum Sonntag" in der Allgäuer Zeitung 24./25. Januar 2026

 

Da geht's mir wie Josef

Letzter Dienstag - Heilig Drei König: Die drei Weisen kommen zu Besuch mit prächtigen Geschenken - und Josef packt sich an den Kopf. Ehrlich, ich kann das verstehen. Die vergangenen Tage, Wochen und Monate waren ja schon fantastisch genug, doch wenn Gott und seine Engel am Werk sind, da geht’s eben nicht mehr normal zu, da fällt alles aus dem Rahmen. Die letzten Tage waren ja auch ganz okay: kein Platz in der Herberge - wen wundert’s, wenn man als armer Schlucker unterwegs ist; dann die Geburt - das Wunder des Lebens, aber nichts Außergewöhnliches; der Besuch der Hirten - da waren wieder die Engel am Werk. Und als endlich der Alltag einkehrte, schon wieder Besuch. Nicht die Verwandtschaft aus Nazareth, nein, dieser Besuch kam von weiter weg und spielte in einer ganz anderen Liga.

Ich glaube, Josef ahnte sofort, dass diese Gäste nicht wegen ihm kamen. Waren auch nicht besonders höflich, hatten nur Augen für das Kind - und ein wenig für Maria. Kein „Hallo“ oder ein „Kommen wir vielleicht ungelegen?“ Und dann ihr Verhalten: Knieten sich vor dem Kind hin und huldigten ihm. Und kramten Geschenke hervor, die das Jahreseinkommen eines Zimmermanns um ein Vielfaches übertrafen. Und Josef packt sich an den Kopf.

Vielleicht ist das der Moment, in dem Josef ein Licht aufgeht. Dieses Kind, sein Kind quasi, das Kind, für das er jetzt verantwortlich ist, das sprengt den Rahmen; mit dem Kind kommt etwas ganz Neues in die Welt; in dem Kind kommt Gott zur Welt. Josef kapiert es. Besser spät als nie. Bei ihm. Und bei mir. Und bei Ihnen auch?

Pfarrer Vitus Schludermann, Matthäuskirche Kempten

„Wort zum Sonntag" in der Allgäuer Zeitung 10./11. Januar 2026

 

Weihnachts-Blues

So ein Stress! Wochenlang hat sich Weihnachten angebahnt. Voll Warten auf Plätzchenteig, der gehen muss, auf Pakete, die laut App seit Tagen in irgendeinem Versandlager feststecken, und Warten auf die Feiertage.

Doch dann ging alles ganz schnell. Heiligabend: Weihnachtsgottesdienst, Essen mit der Familie, Pakete aufreißen, der traditionelle Streit, wieder Essen und schließlich die Feuerzangenbowle, die alle ein wenig betäubt. Das Ganze natürlich nochmal am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag - das Los einer Patchwork-Familie. Am Ende bleiben ein Berg dreckiges Geschirr, Tupperdosen voll Essen, Geschenkpapier - und ein wenig die Erleichterung, dass der Stress nun vorbei ist.

Doch gerade, als ich die Wohnung geputzt habe, erscheint mir noch ein weiterer Gast: mein Weihnachts-Blues. Der ist nicht besinnlich und schon gar nicht feierlich gestimmt, nein - er setzt sich einfach neben mich aufs Sofa. Er hat beschlossen, noch ein paar Tage zu bleiben. Zwischen Geschenkpapierknäueln und dem Piepen der Spülmaschine flüstert er mir ganz leise ins Ohr: „Und? Was jetzt?“

Keine Ahnung! In mir ist Leere. So zünde ich eine Kerze an - nicht den Adventskranz, einfach eine Kerze - und blicke in ihre Flamme. Ich atme tief ein und erinnere mich an die vergangenen Tage, an das Gute wie das Schlechte, und räume es behutsam auf. Alles bekommt seinen Platz.

Und ganz leise ertönt in der Ferne ein Lied: „Stille Nacht, Heilige Nacht.“

Pfarrer Florian Schiermeier, Jugendarbeit im Dekanat Kempten und Hochschulseelsorge in Kempten

„Wort zum Sonntag" in der Allgäuer Zeitung 27./28. Dezember 2025