Wort zum Sonntag:

FÜRCHTET EUCH NICHT!

„Wer rollt uns den Stein da weg?“ Diese bange und ernste Frage stellen sich die drei Frauen, die am Ostermorgen auf dem Weg zu Jesu Grab waren. Sie sind verzweifelt, traurig, ohne große Hoffnung. Sie kommen, um den Verstorbenen zu salben und ihm so die letzte Ehre zu erweisen. Das Einzige, was sie noch für ihn tun können. Nur – wie sollen sie das schaffen, angesichts des riesigen Steins, mit dem das Grab verschlossen ist? Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit liegt in ihrer Frage: „Wer rollt uns den Stein da weg?“

Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit – auch heute. Die Corona-Pandemie hat binnen kürzester Zeit fast die ganze Welt stillgelegt. Die Wirtschaft kommt ins Wanken, Existenzen sind bedroht. Kontakte sollen auf ein Minimum beschränkt sein. Gerade jetzt, in den Osterferien und bei schönstem Frühlingswetter, fällt es schwer, daheim zu bleiben. Wir erschrecken über die Zahlen der Infizierten und Verstorbenen. „Wer rollt uns den Stein da weg?“ Für uns heute ist es weniger die Frage nach dem „Wer“, die uns beschäftigt. Sondern eher die nach dem „Wann“: Wann werden wir endlich wieder aufatmen und ohne Beschränkungen und ohne Angst leben können?

Wir wissen, dass das Leben auch jetzt, zum Osterfest, nicht einfach auf einen Schlag wieder „normal“ wird. Und trotzdem verändert sich etwas – nach und nach. Davon erzählt das Osterevangelium. Die Frauen damals am Ostermorgen gingen trotzdem los, obwohl sie befürchten mussten, unverrichteter Dinge wieder umkehren zu müssen. Eine vage Ahnung, eine zaghafte Vermutung hat sie angetrieben. Und dann, als sie merkten, dass der Stein weggerollt und das Grab leer war, da brachen sie nicht sofort in Jubel und Erleichterung aus. Sie verstanden erstmal gar nichts und liefen weg, denn „Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen“. Am Anfang des Ostermorgens steht nicht der strahlende Triumph, das Siegerlächeln, die Erleichterung. Das kommt erst später, als sie so langsam begreifen, was da wirklich passiert ist.

Später. Mich berührt, wie verständnisvoll die Bibel mit uns umgeht. Sie überfällt uns nicht gleich mit Siegessicherheit, sie verlangt nicht, dass wir von einem Moment zum anderen in Freude ausbrechen. Sie nimmt unsere Verwirrung ernst und geht behutsam damit um. Gott lässt uns die Zeit, die wir brauchen. Aber er setzt etwas in Bewegung und nach und nach wird aus Verzweiflung Hoffnung, aus Angst Zuversicht und aus Verzagtheit Mut. Mitten in dieser verrückten Zeit wird es so auch für uns Ostern, denn: „Fürchtet euch nicht! Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!“

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest!

Pfarrerin Andrea Krakau (St.-Mang-Kirche - „Gemeinde im Grünen")